Zur Geschichte des Hauses

Die ersten baulichen Anlagen wurden in den Jahren 1813 bis 1815 erstellt. Aus den alten Planunterlagen kann festgestellt werden, dass bereits 1843 im Wohngebäude selbst eine Gastwirtschaft eingerichtet war. 1845 kam der südliche Erweiterungsbau mit einer Brauerei hinzu. Aufgrund der guten wirtschaftlichen Verhältnisse folgten in den Jahren 1863 bis 1877 weitere Anbauten und vor allen Dingen Kellerräume. Mit dem Bau des Jugendstilsaales in den Jahren 1905 und 1906 erlebte das Haus seine Blütezeit. Bekannt war vor allem die letzte „Lindenwirtin“ Friederike Luise Stark geb. Pfrommer. An jene Gasthofzeiten erinnern auch die Ringe auf der anderen Seite der Baumstraße. Hier haben die einkehrenden Fuhrleute ihre Pferde, Ochsen- und Fuhrgespanne angekettet.

Schon vor dem ersten Weltkrieg haben mit dem damaligen Stadtpfarrer und dem Lindenwirt Gespräche über einen Wechsel stattgefunden. Nach dem Krieg erwarb dann am 1.12.1920 die evangelische Kirchengemeinde die Linde samt Inventar. Wenn auch der Besuch im Gebäude nicht nachließ, so änderten sich doch die Aktivitäten. Der Kirchenchor, der Jünglingsverein, Jungfrauen- und Frauenverein, ein Posaunenchor hatten nun das Sagen. Auch die aufkommende Wanderbewegung blieb nicht ohne Folgen. Der damalige, aufgeschlossene Kirchengemeinderat unter der Leitung von Stadtpfarrer Lempp, errichtete, wo früher Stallungen waren, eine Jugendherberge. Der Npt gehorchend war man gezwungen, bereits nach kurzer Zeit die Bettenzahl von 12 auf 26 zu erhöhen. Es ist richtig, das Gebäude hat vieles mitgemacht. In dem späten 20er Jahren diente es u.a. auch den arbeitslosen, umherziehenden Wanderburschen als Notaufnahmelager. Dankbar wurde diese Möglichkeit von den, aus lauter Not herumvagabundierenden Menschen angenommen. Erst im zweiten Weltkrieg, wie bei so vielem in dieser Zeit, änderte sich die Nutzung. Statt junger Wanderer zogen französische Kriegsgefangene ein. Neben der Hausmeisterwohnung blieb nur noch die im Obergeschoss des Hinterhauses neu eingerichtete Gemeindeschwesterwohnung unbehelligt. Erst nach den schrecklichen Kriegsjahren diente das Gemeindehaus wieder dem kirchlichen Leben.

Die ständige, starke Nutzung hatte ihre Spuren hinterlassen. Die fehlenden Instandhaltungsmaßnahmen ließen das Gebäude in einen desolaten Zustand gleiten, deshalb die langen Diskussionen im Kirchengemeinderat über eine Generalüberholung oder einen Neubau. Im Advent 1966 wurde dann in der Uhlandstraße das neue evangelische Gemeindehaus eingeweiht. Im selben Jahr erwarb die Stadt Bad Liebenzell das Gesamtanwesen zum Abbruch.

Als bemerkenswert sei hiermit eingeflochten, dass die damalige evangelische Kirchengemeinde im Jahr 1920 die Linde mit einem Kaufp von 145.000 Reichsmark erwarb und die Stadt Bad Liebenzell 1966 mit 145.000 DM neuer Eigentümer wurde. Der vorgesehene Abbruch zog sich jedoch glücklicherweise, wie wir heute wissen hinaus, da in der Zwischenzeit die Räumlichkeiten von anderen genutzt wurden. Das Gebäude, vor allen Dingen der Saal, diente von 1967 bis 1974 als Treffpunkt der in Bad Liebenzell wohnenden Portugiesen. Es nannte sich „Centro Portugies“.

Ab 1974 wurde der Saal von örtlichen Vereinen und Organisationen für Veranstaltungen genutzt. Lange Jahre diente es dem neu gegründeten Jugendkreis „Prismaclub“ als erste Heimat. Auch die Jugendgruppen des Schwarzwaldvereins waren für kurze Zeit in den Räumlichkeiten zu Hause.

Ab dem Jahr 1986 übernahm der am 30.12.1985 gegründete Verein „Freunde des alten Gemeindehauses“ die Regie über das Anwesen. Der Verein hatte sich zum Ziel gesetzt, das alte Gemeindehaus wieder für die Bad Liebenzeller Bürgerinnen und Bürger zu sanieren und für Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. In der Vereinssatzung heißt es wörtlich: „Der Verein wird zur Förderung der Neugestaltung des alten Gemeindehauses in Bad Liebenzell beitragen und darauf hinwirken, dass dies möglichst bald saniert und als zukünftiges Bürgerhaus eine neue Bestimmung erhält. Der Verein wird Veranstaltungen auf kultureller, sozialer und künstlerischer Ebene fördern“

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